Mittwoch, 20. Juli 2011

Breskens - Ijlmeuden / Grenzerfahrung

Losfahrt am Morgen um sechs um die Strömung mitzunehmen. Bei Vlissingen halber Wind durch Untiefen die die Welle brechen liessen. Hat den Steuermann ab dem Sitz gehoben, so heftig waren die Bewegungen.
Schliesslich konnten wir immer mehr vor den Wind drehen und fuhren so mit dem Gross weit ausgebaumt vor dem Wind und Welle. Wind war bis zu 30 Knoten stark und die Welle bestimmt 3 Meter.
Es waren so, mit diesem Tempo und diesem schaukelnden Schiff, immerhin 87 sm zurückzulegen. In einer
grossen Welle und einem Winddreher erwischten wir beinahe eine Halse. Das Segel schlug sehr heftig zurück und dann spickte mir ein gebrochener Rutscher einer Segellatte an den Kopf. Wir merkten, zu spät, dass wir das Gross runternehmen sollten, weil der Wind zu stark geworden war. Besonders frischte es auf wenn dunkle Regenwolken vorbeizogen, was immer wieder der Fall war. Wir hatten zeitweise sonnenschein, aber auch immer wieder bei all dem Wind auch Regen. Also mussten wir bei diesen Verhältnissen das Schiff in den Wind stellen um das Segel runterzuholen. Es gab natürlich heftigste Bewegung ins Schiff, das Segel knatterte wie Schüsse. Dann machte es ratsch und ein weiterer Segellattenrutscher brach, ausserdem rupfte es alle Plastikrutscher aus, so dass ein grosser Spalt zwischen Mast und Segel entstand. Der oberste Rutscher hielt stand, dafür riss dort das Segel.
Erika steuerte in den Wind, ich rupfte mit aller Gewalt an dem Segel. Die weggebrochen Rutscher haben aber geklemmt, etwa in der Mitte zur ersten Saling, also in 3-4m Höhe war die Klemmstelle. Ich konnte das Grossegeln nicht runterholen. Die erste Massnahme war das dritte Reff einzubinden, dann konnte ich das Segel wenigsten stabilisieren. Dies gelang leidlich, war aber ein Riesenkrampf. . Nächsste Massnahme war das Klüversegel auszurollen und so vor dem Wind abzulaufen. Das ging aber schlecht, denn das Grossegel auch im dritten Reff machte dass das Klüversegel stark flatterte.
Wie weiter, noch über 40 sm vor uns. Die Vorstellung bei so viel Wind mit dem Segel in den Hafen einzulaufen war auch nicht gerade erhebend sonder machte mir Angst.
Also: jemand musste in den Mast um die  blockierte Stelle zu lösen. Eri anerbot sich. Ich holte einen Hammer und den Bootsmannstuhl. Mit dem Autopiloten blieb das Schiff vor dem Wind auf Kurs. Ich winschte Erika
mit dem  Bootsmannstuhl in den Mast. Sie hämmerte wie wild auf die blockierten Rutscher und konnte sie tatsächlich lösen.¨Wir hatten alles im Griff. Nicht beachtet haben wir, dass es da oben extrem schwankt und es meiner guten Frau speiübel geworden ist.
Ein Schreckmoment als in dem ganzen Getümmel und dem rumreissen am Grossfall sich der Achterknoten lösen konnte und so schliesslich das ganze Grossfall aus dem Mast ausgefahren ist. Ich habs sofort gemerkt und konnte das lange Fall so schnell wie möglich einziehen. >Zum Glück hatten wir genug  Fahrt so dass das Fall dem Schiff hinterherschwamm und nicht in die Schraube geriet. Das wäre dann der Supergau gewesen, denn dann wäre der Motorantrieb schlicht ausgefallen.
So konnte das Problem schliesslich gelöst werden. anschliessend ging es wieder viel besser und wir konnten uns wieder erholen.

In Ijlmeuden stand uns noch das Anlegen bei 30 Knoten Wind bevor. Der Hafen hier ist bei Südwest sehr schlecht geschützt. Ich kannte den Hafen aber von frührer und ich hoffte auf einen Längssteg um uns einfach
herantreiben zu lassen. Und so war es auch. Grosse Erleichterung, nicht bei diesem Seitenwind in eine Box fahren zu müssen. Wir liessen uns an den Steg treiben und machten fest. Uff......

Am nächsten Tag war das Wetter noch übler. Aber wir waren ohnehin froh um den Ruhetag. Vor uns lag ein Schwede der sich beklagte, dass ihm der Wind bei rund 50 Knoten seine Windfahnensteuerung abgebrochen hatte, im Hafen. Der Schwede ist einhand unterwegs und verlässt sich während er schläft auf sein AIS.
Das erscheint mir sehr riskant, vor allem hier im Kanal bei den vielen Schiffen.

Wir hatten nun für die Weiterfahrt kein Grossegel mehr. Das war aber durch den Nordseekanal ohnehin nicht schlimm, da wir da immer mit dem Motor gefahren sind. Wir beschlossen das Segel erst in Makkum flicken zu lassen.

Im Wissen, dass wir noch eine Motorfahrt vor uns haben habe ich an diesem Tag alles am Motor kontrolliert.
Habe etwas Oel nachgefüllt, das Oel der Getriebewelle kontrolliert. Die Keilriemenspannung war ok.
Dann habe ich die Oelfilter umgeschaltet und nachgesehen dass bei einer Verstopfung der Dieseloelzufuhr die Umschaltung funktioniert. Alles hat richtig funktioniert. Zuletzt habe ich noch den Wasserfilter kontrolliert und dabei eine Ueberraschung erlebt. Der Wasserfilter hatte einen Plastiksack angesogen und  war dadurch mindestens teilweise verstopft. Ich war sehr froh diesen Fehler gefunden zu haben. Eine Funktionsstörung des Motors mit Ueberhitzung mangels Kühlung war noch nicht eingetreten. Es ist eben doch wichtig diese Checks immer alle zu machen, auch wenn man in 99% der Fälle nichts findet.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen