Freitag, 17. Juni 2011

Warten-warten-warten

Wir sitzen hier fest, sicher bis Sonntag oder Montag. Ueber der Biskaya gibt es ein Tief mit bis zu 60 Knoten Wind bei 4 m Welle. Der Wind kommt von Westen, da wo wir hinwollen. Auch hier im Hafen weht es mit 30 Knoten Wind. Das Schiff ist gut angebunden, mit Gummistrops um die Stösse von Wind und Wellen etwas abzuschwächen. Erika ist am Waschen, ich habe zum Glück Internet einrichten können. Dazu habe ich eine Internetantenne die ich montieren kann. So erhalte ich das schwächste Hafensignal noch auf meine Kiste.
Habe festgestellt, dass wir vorgestern Springtide hatten. Es war Vollmond. Es gibt einen Coeff, noch nie gehört. Dieser schwankt von 40-90. Zurzeit ist er 90. Das heisst dass besonders viel Wasser bewegt wird und in den Hafen ein und ausläuft.Das heisst auch dass besonders starke Strömungen herrschen.

Das Wetter ist wirklich aetzend. So anhaltend schlecht und mit dem Wind aus West hatten wir es lange nicht mehr. Dazu kommt oft noch Regen. Zieht ganz schön an der Moral. Westwind würde ja noch gehen, aber so stark macht er hohe Wellen gegen die man anfahren muss. Deshalb geht gar nichts. Wir sind nicht die einzigen Frustrierten. Alle sitzen im Hafen und warten. Es läuft niemand aus, es kommen aber auch keine neuen Schiffe rein. Nichts mit Hafenkino.
Habe wenigstens einen französischen Radiosender gefunden mit sog. Nostalgiemusik. Die spielen alle guten Titel aus dem letzten Jahrhundert. Das tröstet noch etwas.

Bei Ebbe spazierte Erika über die Hafeneinfahrt, dort wo wir mit dem Schiff bei Flut eingelaufen sind. Schon ein komisches Gefühl.

Das Gebiet hier ist seglerisch sehr anspruchsvoll. Die Häfen liegen weit auseinander, meist mehr als 6 Stunden. Das heisst dass zwangsläufig die sehr starke Strömung einmal wechselt. Wir rechnen wie die Wilden. Einerseits müssen die Tidenstände stimmen um in die Häfen einzulaufen. Wer zu spät kommt bleibt draussen. Andererseit will man soviel wie möglich mit dem Strom fahren. Hier den richtigen Zeitpunkt zu finden ist manchmal schwierig. Es kann auch sein, dass man zur völligen Unzeit auslaufen muss.
Wir haben erlebt was es heisst gegen 4 Knoten Strom zu fahren. Selbst mit Motor und Segeln machten  wir  unter 3 Knoten Fahrt. Theoretisch wären das dann 20 Stunden Fahrt bei ca 60 Meilen Distanz. Zum Glück waren es bei uns nur noch die letzten 10 Seemeilen mit diesem Strom. Ausserdem konnten wir ihn noch schräg anschneiden, dann liefs wieder mit 5 Knoten. 

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