Freitag, 3. Juni 2011

Cherbourg

Nach einer Nacht Station in Boulogne sur Mer sind wir gestern während 24 h gesegelt und heute früh um 6 Uhr in Cherbourg angekommen. Anfänglich wollten wir nur bis Dieppe, es lief aber so gut dass wir uns spontan entschlossen weiterzusegeln. Es wurde ein Etmal von 156sm (Distanz in 24 h) und somit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 6.5 Knoten. Durch die lange Fahrt durchliefen wir mehrere Tidenzeiten, so dass wir einmal Strom mit uns und dann aber wieder gegen uns hatten. Bei 7 Knoten Fahrt durch das Wasser hatten wir zeitweise mit dem Strom zusammen bis zu 10 Knoten Fahrt über Grund.
Die Fahrt war nur möglich weil der Wind aus Nord-Nordost kam. Zu Beginn waren es 14-16 Knoten bei praktisch keiner Welle. Je länger die Fahrt dauerte ums mehr kam der Wind von hinten. Wir mussten das Grossegel zwei mal reffen, alle Vorsegel einrollen und hatten immer noch 7 Knoten Fahrt im Wasser. Der Wind bewegte sich zwischen 25 und 30 Knoten, die Wellen nahmen auf mindestens 2 m zu. Weil wir so hart vor dem Wind fahren mussten , machte das Schiff sehr starke Rollbewegungen.Diesmal blieb die Seekrankheit aber weitgehend aussen vor. Ausser etwas Würgen und kein grosser Hunger kamen wir ganz glimpflich davon.Wir schrammten immer nahe an der Patenthalse vorbei, aber nach unserer Erfahrung in Norwegen haben wir einen Bullenstander gesetzt. Dieser verhindert das Ueberkommen des Segels auf vorlichem Kurs. Wir sehnten uns nach etwas weniger Wind und Welle.

In der Nacht haben wir die Beleuchtung eingeschaltet und so sieht man die anderen Schiffe ebensogut wie am Tag. Weil unser Windrichtungsanzeiger defekt ist muss ich immer zum Masttop schauen um die genaue Stellung des Schiffes zu Wind zu sehen. Erst als wir die Ankerleuchte, ein weisses Licht am Top eingeschaltet hatten, konnte ich etwas sehen. Wir haben alle Lichter auf LED umgerüstet, so dass diese Christbaumbeleuchtung sehr wenig Strom braucht. Früher nahm jede Lampe 25 Watt, heute mit LED nimmt eine ebenso starke Leuchte noch ca 3 Watt. Der Strom reichte gut aus, obwohl wir dauernd mit dem elektischen Autopiloten gefahren sind. Der Verbrauch mit Komputer und Autopilot und Aussenbeleuchtung war etwa 11-14 Ampere.
Es hatte ausgesprochen wenig Verkehr, stundenlang waren wir alleine. Es war aber bei dem Wind saukalt, so dass wir uns abwechselnd auf Deck aufhielten, eingewickelt in einen Schlafsack. Die Planung war, dass wir am anderen Morgen, bei Licht in Cherbourg einlaufen werden. Wir waren aber zu schnell und standen bereits um 5 Uhr, noch bei dunkler Nacht vor dem Hafen. Generell wollten wir unbekannte Hàfen nur am Tag anlaufen. Mit unserer elektronischen Karte und unserer bisherigen Erfahrung schafften wir aber auch diese Einfahrt. Es ist aber sehr aufregend, die richtigen Lichter auszumachen. Hier mussten wir auf Felsen aufpassen, die umfahren werden wollten.

Total müde, denn an Schlafen war kaum zu denken, kamen wir in Cherbourg an. Am erstbesten Platz machten wir fest, banden das Schiff an, liessen alles liegen und stehen und verkrochen uns in die Koje. Das wurde ein tiefer Schlaf bis zum Mittag.
Einerseits erfüllt die Leistung mit Stolz, andererseits fragt man sich doch weshalb man sich das auf die alten Tage noch antut.

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